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Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Im Gespräch mit Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin

Die Technologiestiftung Berlin beschäftigt sich auf dem Gebiet der anwendungsorientierten Forschung mit dem technischen Fortschritt und dessen Einfluss auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen der Hauptstadt. Welche Technologien werden aus Ihrer Sicht welche Bereiche der Berliner Stadtgesellschaft in naher Zukunft besonders prägen?

Ich glaube, dass die Digitalisierung die Stadt in den nächsten Jahren viel stärker verändern und prägen wird, als sich die meisten Menschen das vorstellen können und zwar in vielfacher Hinsicht, über alle Bereiche hinweg. Nehmen wir das Beispiel Verkehr: Der Verkehr wird effektiver und sicherer werden, weil smarte Systeme dabei unterstützen, die schnellsten Routen zu finden und Staus zu umfahren. Man braucht kein eigenes Auto mehr, weil einem die Carsharing App zuverlässig meldet, wo das nächste freie Auto steht. Zudem werden sich die Verkehrsströme ändern: Die Menschen fahren nicht mehr an fünf Tagen in der Woche ins Büro, sie machen Homeoffice. Der Lieferverkehr verändert sich, weil 3D-Drucker dezentral Waren produzieren und immer mehr Menschen online einkaufen und sich zuhause beliefern lassen.

Was ich hier skizziert habe, sind keine Science Fiction-Szenarien. Technisch ist das alles schon heute möglich, nicht nur im Verkehrsbereich. Auch die Medizin, die Industrie, das Bildungswesen und alle anderen Lebensbereiche werden durch smarte Systeme stark verändert werden.

Das Leben wird transparenter werden und ganz neue Möglichkeiten der Teilhabe bieten. Wir können uns ständig über die Ereignisse in unserer Umgebung informieren und wichtige Informationen weitergeben – an die Verwaltung oder einfach direkt an Nachbarinnen und Nachbarn. Gleichzeitig müssen wir überlegen, wo wir eine Grenze ziehen wollen und unsere Privatsphäre beginnt.

 

In Ihrem aktuellsten Bericht setzen Sie sich mit der „Berliner Mischung 2.0“ auseinander. Die urbane Produktion von morgen steht auch am Wissenschafts- und Technologiestandort Berlin Schöneweide im Fokus der stadtentwicklungspolitischen Entscheidungen. Welche Besonderheiten ergeben sich Ihrer Einschätzung nach für die integrierte Stadt- und Infrastrukturentwicklung an einem Wissenschaft- und Technologiestandort wie Berlin Schöneweide? Welche Standortfaktoren sind wesentliche für eine funktionierende Mischung?

Das Umfeld stimmt in Schöneweide. Die besondere Mischung von Industrie und Gewerbe, Wohnen und Lernen sowie die tolle Lage an der Spree strahlen Charme aus. Man spürt die Aufbruchstimmung, die herrscht. Das fördert die Kreativität und in den historischen Industriebauten kann man sich leicht moderne Arbeitsplätze vorstellen.

Wichtig ist, dass der Standort diese attraktive historische Substanz erhält und gleichzeitig die moderne Infrastruktur schafft, die Technologieunternehmen brauchen. Dazu gehört natürlich eine gute verkehrliche Anbindung, sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch für den Individual- und Lieferverkehr. Das ist eine Herausforderung für die Standortentwicklung in Schöneweide. Aber in digitalen Zeiten ist nicht nur die verkehrliche Anbindung wichtig. Der Standort muss auch technisch optimal erschlossen sein. Schließlich gehört auch ein urbanes, kreatives Umfeld zu den Erfolgsfaktoren.

 

Der Zukunftsort Berlin Schöneweide hält mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin immenses akademisches Know-How in Industrie 4.0-relevanten Kompetenzen bereit. Mit dem Innovations- und Technologiezentrum für Digitalisierung und Industrie 4.0 (ITZ 4.0) ist eine kontinuierliche Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft am Standort geplant. Welche Funktionen sollten Gründerzentren wie das ITZ 4.0 neben dem reinen Flächenangebot Ihrer Meinung nach noch aufweisen, um einen bedeutenden Beitrag zur Digitalisierung der Berliner Wirtschaft von morgen leisten zu können?

Gründerzentren wie das ITZ 4.0 leisten ihren Beitrag, wenn sie junge Hochschülerinnen und Hochschüler dabei unterstützen, ihre Geschäftsideen zur weiteren Digitalisierung erfolgreich umzusetzen. Das gelingt ihnen vor allem, wenn sie neben der Fläche ein attraktives Umfeld bieten. Und genau dieses Umfeld gibt es in Schöneweide: anwendungsorientierte Forschung, Kontakte zu innovativen Unternehmen, interessante Nachbarn innerhalb des Gründungszentrums.

Im Nutzungskonzept und Bedarfsprogramm für das Innovations- und Technologiezentrum Industrie 4.0 in Berlin Schöneweide wird die räumliche und inhaltliche Vernetzung von Hochschule, innovativen Unternehmen und Gründern explizit als Ziel genannt. Das ist meines Erachtens genau der richtige Ansatz. Auch, dass Hardware Startups und Hersteller von Industrie 4.0-Komponenten im Konzept ausdrücklich adressiert werden, zielt meines Erachtens in die richtige Richtung. Der Hardware-Bereich ist in Berlin noch ausbaufähig. Die Forschung an der HTW bietet besondere Ansatzpunkte für diese Weiterentwicklung und viele Chancen, hier einen echten Industrie 4.0-Hot Spot zu schaffen, der der Stadt wichtige Impulse geben kann.