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Veranstaltungsrückblick Salongespräch „Vision 2030: Weichenstellung für den Zukunftsort Schöneweide“

Veranstaltungsrückblick Salongespräch „Vision 2030: Weichenstellung für den Zukunftsort Schöneweide“

Wohin kann die Reise gehen an diesem traditionsreichen Standort?

Viele Interessen prallen hier aufeinander. Die einen wollen wohnen, die anderen arbeiten, wieder andere die Flächen und historischen Industriehallen entwickeln. Eine immer größere Anzahl kommt zum Studieren nach Schöneweide. Die einen wünschen sich verkehrsberuhigte Straßenzüge, die anderen möchten sich auf den stetigen Zuzug von Familien, Unternehmen und Kreativschaffenden auch infrastrukturell vorbereitet fühlen. Nicht wenige sehen sich in ihrer Existenz am Standort bedroht und wieder andere blicken gespannt auf neue Kooperationsmöglichkeiten mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft!

Genügend Stoff für Diskussionen! So war es nicht verwunderlich, dass der Andrang zum Schöneweider Salongespräch am 29. März groß war für die lokale Veranstaltungsreihe. Über 140 Standortinteressierte, VertreterInnen aus Bezirk und Senat, KünstlerInnen, InvestorInnen und AnwohnerInnen kamen, um sich über die zukünftige Entwicklung am Standort zu informieren. Daher wurde die Diskussionsveranstaltung kurzerhand, und dank der Flexibilität des Eigentümers, in die frisch sanierten Reinbeckhallen verlegt.

Zur Schöneweider Vision 2030 aus lokalen Perspektiven kamen kreative Ideen vor allem vom Industriesalon. Zur Vermittlung der Industriekultur am Standort sollen Projekte wie der Landmark am Kaisersteg und der Ausbau des Industriesalons zum Besucherzentrum XXL dienen. Auch der Peter-Behrensturm soll zur 100 Jahr Feier der Elektromobilität im Oktober 2017 spektakulär ausgeleuchtet und in fernerer Zukunft durch eine Seilbahn mit dem Zukunftsort Adlershof verbunden werden. Der Tourismusentwicklung am Standort sind in den Augen von Susannen Reumschüssel keine Grenzen gesetzt!

Die Entwicklungsmöglichkeiten von bestehendem Gewerbe problematisierte Jan IJspeert von der BAE Batterien GmbH, eines der ältesten Bestandsunternehmen am Standort. Zwischen immer näher rückendem Studentenwohnen und Generationenpark an sein Firmengelände sei von Planungssicherheit für den Geschäftsführer auf Expansionskurs wenig zu spüren. Seine Forderung: die Sicherung von Gewerbeflächen in Schöneweide müsse von Verwaltung und Politik flankiert werden.

Claas Cordes von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin machte deutlich, dass die Wirksamkeit der Hochschule auf den Standort neben Forschung und Lehre nur sekundär betrachtet werden kann. Strategisches Zusammendenken der Vision 2030 für Schöneweide ist dennoch wichtig. Nicht zuletzt, weil die HTW Berlin in den nächsten 15 Jahren ihren Lichtenberger Campus Treskowallee aufgeben und einen Zentralcampus Wilhelminenhof in Schöneweide ausbauen will. Über die reine Verdichtung auf den eigenen Hochschulflächen sei das nicht möglich, schätzt auch der HTW-Kanzler ein. Die Ausweitung der Hochschule ist demnach auf Flächen im Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie oder im Peter-Behrens-Bau denkbar. Ausgebaut werden sollen auch die Kooperationen mit der Wirtschaft, gerade im Digitalisierungsbereich bietet die Hochschule ein breites Kompetenzfeld aus unterschiedlichen Fachrichtungen an.

Eine gute Nachricht für Thomas Niemeyer vom Regionalmanagement, der einen erfolgreichen Zukunftsort unter anderem anhand der Vernetzung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft bemisst. Am besten funktioniert das mit Technologie- und Gründerzentren, die in Schöneweide laut Niemeyer neben Expansionsflächen für die Wirtschaft bereitstehen müssen. Der Zukunft von Unternehmen am Standort sieht er positiv entgegen. Mit einem Investitionsbedarf von einer Milliarde Euro für gewerbliche Entwicklung und Sicherung auf den denkmalgeschützten und neueren Flächen sei man in Gesprächen mit Eigentümern und Investoren auf richtigem Kurs!

In der anschließenden Podiumsrunde zwischen Jochen Brückmann (IHK Berlin), Corinna Huge (Zuständige für die Berliner Zukunftsorte als Vertretung aus der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe), Dr. Martin Schwegmann (Atelierbeauftragter Berlin) sowie Katalin Gennburg (DIE LINKE) und Lars Düsterhöft (SPD) wurde die derzeitige Dynamik am Standort sehr kontrovers diskutiert. Einen Konsens gab es: das Versäumnis der letzten 7 Jahre, Gewerbe- und Industrieflächenentwicklung am Standort auf den dafür vorgesehenen Flächen nachhaltig zu fördern, soll gemeinsam von Senat und Bezirk und durch die Politik revidiert werden. Ob sich das in einem etablierten Standortmanagement ausdrückt oder darin, dass Investitionsvorhaben in denkmalgeschützte Bausubstanz auch für private Entwickler förderfähig sind, oder anderweitige Maßnahmen mit sich zieht, bleibt abzuwarten…