Sitemap

Veranstaltungsrückblick Salongespräch Wilhelminenhofstraße

Veranstaltungsrückblick Salongespräch Wilhelminenhofstraße

Mit dem bewusst provokanten Veranstaltungstitel „Wilhelminenhofstraße – schrittweiser Verfall oder neue Hipster-Meile“ haben sich am 12. Oktober Vertreter_innen aus Bezirk, Wirtschaft und Wissenschaft mit lokalen Akteur_innen vor einem breiten Publikum im Schöneweider Salongespräch beschäftigt.

 

Derzeit kann der Hochschul- und Technologiestandort mit seiner Hauptgeschäftsstraße noch nicht so recht überzeugen. Mit viel Leerstand, einfachem Einzelhandel und gerade auf der AEG-Straßenseite mit einigen „Schmuddelecken“ versehen, gibt es für die Wilhelminenhofstraße noch viel Potenzial nach oben. Da sind sich alle Gäste an diesem Abend einig. Mit dem Zuzug von Studierenden, jungen Familien und kreativen Unternehmen wandelt sich aber nicht nur das Straßenbild – auch die Bedürfnisse an die Angebotslandschaft verändern sich!

Neue Geschäftsideen halten Einzug

In der Wilhelminenhofstraße wird schon jetzt Pionierarbeit geleistet. Immer öfter blitzen in den Erdgeschosslagen der Hauptstraße neue Geschäftsideen auf. Wie von Oliver Nibbe, der mit seinem Bio-Burger-Laden im alten Pförtnerhäuschen am Eingang des Rathenaugeländes den stadtweiten Trend in den Kiez bringt. Auch Marcel Bursch von Turnbeutelliebe.de setzt mit seinem Ladengeschäft gegenüber dem Haupteingang der HTW Berlin auf die wachsende junge Kundschaft. Und es gibt noch mehr. MegaSchöneweide.de, der Blog von Meri & Leo, zeigt auf einen Blick, was sich in den letzten sechs Monaten alles im Kiez getan hat.

Wilhelminenhofstraße noch mit geringer Angebotsbreite

Es ist nicht immer einfach, sich mit neuen Ideen zu behaupten, das kann auch Susanne Reumschüssel vom Industriesalon mit Ihrer Ortsbegehung durch die Geschäftsstraße bestätigen. Bei insgesamt 233 Erdgeschossnutzungen entlang der Wilhelminenhofstraße überwiegen immer noch Imbisse, Kosmetiksalons und Discounterläden. Auch im aktuellen Zentren- und Einzelhandelskonzept des Bezirks wird das niedrige Angebotsniveau deutlich. Ulrike Zeidler, die Amtsleiterin der Stadtentwicklung Treptow-Köpenick, zeigt die Grenzen der Steuerungsmöglichkeiten anhand eines Steckbriefes zur Wilhelminenhofstraße auf: „Wir haben keinen Einfluss auf gezielte Branchenansiedlungen. Wir können nur versuchen, weiteren Einzelhandel außerhalb des Ortsteilzentrums zu verhindern, um die Wilhelminenhofstraße selbst nicht zu schwächen.“

Der hohe Durchgangsverkehr, der eingeschränkte Parkraum und fehlende Magnetbetriebe am Übergang der Wilhelminenhofstraße zur Ostendstraße beeinflussen die Angebotssituation zusätzlich negativ.

Die lokale Kaufkraft ist entscheidend

Philipp Haverkamp vom Handelsverband Berlin-Brandenburg verwies darauf, dass Treptow-Köpenick in den kommenden Jahren noch um rund 9% wachsen wird. Ein Potenzial, was gleichzeitig Gefahren birgt, wie der Wirtschaftsgeograph von der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Lech Suwala, einwirft: „Studenten und Kreative mit kleinem Geldbeutel sind immer die Pioniere, die ganz bestimmte Angebote nachfragen, wie Döner, Spätis und Wohngemeinschaften.“ Verändert sich die Kaufkraft, weil die Studierenden und Absolvent_innen älter werden oder der Zuzug von gut Situierten erfolgt, transformiert sich auch hier das Angebot im Einzelhandel. Und wenn es zu schnell geht, werden die einstigen Pioniere noch vor dem richtigen Durchstarten aus ihren Räumen gekündigt. Gentrifizierung ist das Zauberwort, wovon ein bisschen erwünscht, zu viel aber schädlich für den Kiez zu sein scheint. Der Bezirk prüft sogar derzeit, wie hoch der Verdrängungszustand am Standort ist und ob eine Milieuschutzregelung für Schöneweide in Frage kommt.

Und was kann man tun?

Das fragen sich Anwohner_innen und Gewerbetreibende gleichermaßen. Aus der Podiumsrunde kommen Hinweise, dass der Leerstand auch Chancen birgt, indem Erlebnisanker im öffentlichen Raum gesetzt, leerstehende Ladenlokale, Industriekultur und Hinterhöfe erlebbar gemacht werden müssen. Aber wie? Christof Deitmar von der IHK Berlin setzt auf Vernetzung untereinander. Mit der Zentreninitiative „MittendrIn Berlin!“ unterstützt er lokale Gewerbenetzwerke mit zündenden Ideen zur Geschäftsstraßenbelebung mit einem Preisgeld für die Umsetzung von Straßenfesten oder anderen Events und wirbt für eine Bewerbung.

Die Wilhelminenhof-Initiative

An der Verknüpfung von Ladenbetreiber_innen arbeiten der Industriesalon und Unternehmerkreis Schöneweide schon seit Längerem. Eine gemeinsame Aktion könnte gut mit einem geplanten Straßenfest zum 100jährigen Bestehen des Peter-Behrens Gebäudes im Oktober 2017 zusammenfallen. Beide Institutionen riefen daher zu einem Treffen der Wilhelminenhof-Initiative  auf und freuen sich über engagierte Mitstreitende.