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Cafékultur in Berlin Schöneweide

Cafékultur in Berlin Schöneweide

Wiederbelebung eines Industriedenkmals

Direkt am scharfen Knick der Spree, dem sogenannten Spreeknie, wurden vor rund 100 Jahren Brennmaterialien auf dem Kohleplatz am östlichsten Rand des Oberschöneweider Industrieareals verteilt. Der aus dieser Zeit zurückgebliebene Hafenkran ragt auch heute noch heraus, wenn man dem Spreeufer flussabwärts folgt. Nur dass aus dem Kran derweil ein Kranhaus geworden ist.

Nach aufwändigen Sanierungsarbeiten und einem denkmalgerechten Umbau im Jahr 2003 wurde das Relikt aus alter Zeit in eine neue Nutzung überführt. Neben einer Wohnung in den oberen Etagen, sollte durch ein Café mit großzügigen Fensterfronten das Erdgeschoss auch für Besucher zugänglich gemacht werden.

Seit Oktober 2014 erwecken Juliana Martinez und Billy Telford nach längerem Leerstand das Kranhauscafé zu neuem Leben. Solch ein Industriedenkmal „so allein und ohne Nutzung“ zu sehen, war für Juliana Martinez unbegreiflich. Das Grundstück direkt an der Spree bietet nicht nur Platz für einen Garten, der ab März 2015 gepflanzt werden soll. Mit der bereits fertiggestellten Holz-Terrasse Richtung Spreeufer bietet die Fläche einen fantastischen Blick auf das Wasser.

Schon der Eigentürmer Sven Thomsen legte während der Instandsetzung des Kranhauses großen Wert auf die Erhaltung des ehemaligen Industriecharmes. Die neuen Café-Betreiber halten daran fest, haben Boden und Decke in rustikal-natürlichem Stil restauriert und alte Produkte aus industriellen Produktionen in das Inventar einfließen lassen.  „Unser Fokus liegt auf hochwertigem Kaffee“ erklärt die gebürtige Kolumbianerin Martinez und verrät, dass neben dem derzeitigen Angebot aus Kuchen, Quiche und einem wechselnden Mittagstisch auch an der Etablierung eines lokal angepassten Food-Konzepts gearbeitet wird.

Die Studenten und Professoren der nahegelegenen Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) wissen das Angebot schon jetzt zu schätzen. Aber auch Firmen aus der Nachbarschaft oder Spaziergänger, die über den öffentlichen Weg am Spreeufer auf das Kranhauscafé stoßen, werden angezogen. Um noch mehr Gäste zu erreichen, muss laut Martinez die Aufmerksamkeit am Standort allerdings noch enorm erhöht werden. Der Kontakt zum Vermieter und direktem Anrainer Thomsen ist freundschaftlich. Auch die unmittelbare Nachbarschaft haben sie bereit kennengelernt. Nur mit der hiesigen Kunst- und Kulturszene strebt die Betreiberin noch einen intensiveren Austausch an. Hier könne man sich kontinuierliche Ausstellungen im Garten und Café-Raum genauso gut vorstellen, wie als Teil des nächsten Schöneweider Kunstfestivals „Kunst am Spreeknie 2015“ in Form einer Ausstellungsdestination mitzuwirken.

Der kreative Lebenshauch im Erdgeschoss des Krankhauses entfaltet sich bereits im winterlichen Grau. Wenn im Frühjahr erst Stühle und Tische die Terrasse und den neu bepflanzten Garten säumen, hier und da eine Skulptur oder Malerei aus der lokalen Kunstszene platziert ist, während duftender Kaffee über den Tresen gereicht wird, kann man sich keine bessere Nutzung für den historischen Hafenkran am nördlichen Spreeufer vorstellen.