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DAUERHAFTE SICHERUNG KREATIVWIRTSCHAFTLICHER NISCHEN

DAUERHAFTE SICHERUNG KREATIVWIRTSCHAFTLICHER NISCHEN

Der Masterplan Kunst als wichtiges Instrument, um dauerhaft bezahlbaren Raum für Kunst und Kultur in Schöneweide zu sichern.

Mit dem ‚Masterplan Kunst‘ erarbeitete das Regionalmanagement bereits 2016 ein Strategiepapier, das mehr als 15 Orte der Kunst oder solche, die es werden könnten, unter die Lupe nahm. Als Zielstellung gilt damals wie heute, dauerhaft Orte bereit zu halten, die bezahlbaren Raum für Kunst und Kreativität bieten und somit einem Gentrifizierungsprozess entgegenwirken können. Die abgeleiteten Handlungsempfehlungen zur Erschließung bzw. zum dauerhaften Erhalt der Kunstorte wurden vom Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick und der Berliner Senatsverwaltung aufgegriffen und gaben Orientierung für die zukünftige Entwicklung dieser Flächen. Die Besonderheit dabei ist, dass das Regionalmanagement bereits frühzeitig die Entwicklung vor Ort registrierte und mit Eigentümern und Kreativen in den Dialog trat, noch bevor es beispielsweise zu starken Mieterhöhungen durch Modernisierungen oder Sanierungen seitens der Eigentümer kam.

Die langfristige Sicherung von Flächen und Orten für die Kunst in Schöneweide ist ein Anliegen des Regionalmanagements, denn die Kunstschaffenden gehören seit vielen Jahren zur DNA des Standortes. Viele von Ihnen sind schon seit 15 Jahren und mehr hier und haben die Veränderungen mitgestaltet oder sogar selbst initiiert. Der Masterplan war hier nur eine Etappe – ein Mittel um Potenziale für alle handelnden Akteure sichtbar zu machen. Um tatsächlich die Räume für Kunstschaffende zu sichern, gibt es kein Patentrezept,  aber eine Vielzahl von Möglichkeiten, die von ebenso vielen Akteuren aktiv unterstützt und betrieben werden müssen. So sind planungsrechtliche Festsetzungen in der Nutzungsart Kunst und Kultur in Entwicklungs- und Bebauungsplänen, wie bspw. im Fall der Reinbeckhallen, vor allem für die dauerhafte Sicherung von Vorteil. Weitere zur Verfügung stehende Mittel können ggf. städtebauliche Verträge, die Übernahme von Grundstücken und/oder Flächen durch die GSE (Gesellschaft für Stadtentwicklung gGmbH) sein, die konzeptionelle Unterstützung von Künstlerinitiativen bspw. um Coworking Spaces einzurichten oder Beratungs- und Unterstützungsangebote bei Verhandlungen mit Eigentümern.

Einer der Standorte die im Masterplan aufgeführt werden, ist die ehemalige Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in der Schnellerstraße (siehe Foto). Nachdem bekannt wurde, dass die Schauspielschule ihren Standort im Herbst 2018 von Schöneweide nach Berlin Mitte verlegen wird und rund 4.000 m² Fläche frei werden, wurde nach einer Idee für eine Nachnutzung gesucht. Um eine kulturelle bzw. kreativwirtschaftliche Nutzung am Standort zu erhalten, erfolgten auch Gespräche zwischen der Hochschulleitung, der Wirtschaftsförderung des Bezirks Treptow-Köpenick und dem Regionalmanagement. Im Ergebnis wurde die Politik tätig und unterstützt den Ort mit einer Art „Inkubatorprogramm“ – der Atelierförderung des Landes Berlin. Das Berliner Atelierprogramm bietet geförderte, mietpreis- und belegungsgebundene Ateliers und Atelierwohnungen an. Der Senat verfügt mit der Atelierförderung über ein geeignetes Instrument, dass im Zusammenspiel mit öffentlichen und privaten Eigentümern sehr wirksam sein kann. Im Zusammenwirken mit der Kulturverwaltung (Senat), kann insbesondere in den landeseigenen Immobilien, wie es bei der ehemaligen Schauspielschule der Fall ist, eine dauerhafte und nachhaltige Kunstinfrastruktur geschaffen werden. Zukünftig wird sich in dem Gebäude ein Probezentrum für Darstellende Kunst einrichten, das vom Verein Förderband Kulturinitiative Berlin betreut wird. Bis dahin dauert es allerdings noch ein wenig. Erst erfolgt die Sanierung der Immobilie, die laut Schadstoffgutachten wohl weder eine betriebliche Nutzung noch Zwischennutzung erlaubt.

Was den Zukunftsort Berlin Schönweide durchaus besonders macht, ist, dass es nicht nur von „oben“ aufgesetzte öffentliche Strukturen braucht, um Kunst und Kultur am Standort zu beleben. Nein, es gibt hier auch private Investoren und Entwickler mit Visionen, die sich darum bemühen, Schöneweide als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, auch im kreativen Sektor, voranzubringen. Als Beispiel wären das Funkhaus Nalepastraße zu nennen, welches von Herrn Fabich erfolgreich und mit viel Engagement zu einem Musikzentrum mit internationaler Strahlkraft ausgebaut wird, das Schauhallenareal, das mit reichlich Mut und Ausdauer von Sven Hermann realisiert werden konnte oder die Reederei Riedel mit einem kulturaffinen Eigentümer, der durch den Ausbau von Künstlerateliers günstige Räumlichkeiten bereitstellt.

Zudem soll auf einer ehemaligen Brache zwischen dem Funkhaus Nalepastraße und der Rummelsburger Landstraße ein neues Quartier für Kreative entstehen – Nalepaland. Dazu wird ein Bürogebäude mit rund 20.000 Quadratmetern für „Smart Creators“-Mieter entstehen. Baustart ist laut privatem Entwickler bereits im zweiten Quartal 2019.

 

Foto: ehemalige Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” (© Regionalmanagement Berlin Südost/ eigene Aufnahme)