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Der Industriesalon Schöneweide

Der Industriesalon Schöneweide

Weichenstellung in die Zukunft

Berlin Schöneweide, das historische Zentrum der Berliner Elektroindustrie, bietet sich geradezu an, zu einem Aushängeschild für die „Berliner Industriekultur“ zu werden. Historische Produktionshallen machen den ehemaligen Produktionsstandort der AEG zu einer “industriell geprägten Kulturlandschaft”. Nur braucht es mehr als die Existenz denkmalgeschützter Architektur, um Tourismus nachhaltig zu entwickeln. Lokale Service-Angebote für Besucher und Fachpublikum sowie deren Koordination im Raum sind wichtige Dienstleistungsbereiche, die etabliert und gefördert werden müssen.

Der Industriesalon Schöneweide ist für die touristische Entwicklung des Standorts unentbehrlich. Aus Eigeninitiative 2009 gegründet, arbeitet der Verein mit viel ehrenamtlichem Engagement die Produktionsgeschichte in Schöneweide auf und stellt sie in einer ehemaligen Industriehalle des Transformatorenwerkes in der Reinbeckstraße aus.

Der Industriesalon Schöneweide hat sich neben der dauerhaften Präsentation der alten Maschinen, Produkte und Dokumente aus dem früheren Werk für Fernsehelektronik (WF) auch der touristischen Öffnung des Industrieareals in Schöneweide verschrieben. Unter Leitung von Susanne Reumschüssel übernahm der Industriesalon Schöneweide e.V.  im Jahr 2012 im Auftrag der Wirtschaftsförderung Treptow-Köpenick die Trägerschaft einer Wirtschaftsdienlichen Maßnahme (WDM). Ziel war es, das Thema Industriekultur in  Schöneweide als “best practice” für die Berliner Tourismusentwicklung zu nutzen. Dafür wurden touristische Angebote entwickelt und zusammen mit Standortpartnern an einem Werbekonzept für die Tourismusdestination Berlin Schöneweide gearbeitet.
Mit den WDM-Mitteln wurden weiterhin Gutachten in Auftrag gegeben, die die Eignung des Industriesalons als überregional wirksames Besucherzentrum in Berlin Schöneweide untersuchte – und auch belegte! Weitere Konzepte für Standortführungen zu Fuß und Rad mit den unterschiedlichsten inhaltlichen Schwerpunkten wurden ausgearbeitet und befinden sich bereits in der Umsetzung. Die Resonanz ist erfreulich gut. Die Zusammenarbeit mit der Schifffahrtsflotte der Reederei Riedel, die während der Saison jeden Dienstag Besucher aus dem Zentrum über den Wasserweg nach Berlin Schöneweide bringt, trägt zusätzlich zur Bekanntmachung der Touristendestination Berlin Schöneweide bei.

Nach Auslauf der WDM Ende 2014 entfällt jedoch die projektbezogene Förderung für die weitere Organisation und Durchführung dieser touristischen Angebote am Standort. Der laufende Ausstellungsbetrieb im Industriesalon sei zwar nach Aussagen von Susanne Reumschüssel noch eine Zeitlang ehrenamtlich zu stemmen, die zunehmend nachgefragten geführten Touren stünden jedoch auf der Kippe. Es sei unrealistisch zu glauben, dass eine professionelle Begleitung der Tourismusentwicklung in Berlin Schöneweide dauerhaft von ehrenamtlichen Stellen getragen werden kann. Das belegen auch die Gutachten, deren Ergebnisse darauf hinweisen, dass deutschlandweit kein Besucherzentrum ohne Basisfinanzierung existieren kann.

Und wie geht es nun weiter?

In diesem Frühjahr, wenn der Berliner Haushaltsplan für die Jahre 2015/2016 aufgestellt wird, müssen die Weichen für eine institutionelle Förderung gestellt werden. Diverse Gespräche mit Abgeordneten im Bezirk wurden geführt. Mehr als mündliche Zugeständnisse gibt es allerdings noch nicht. Geplant ist eine Konferenz über die „Zukunft des Industriesalons“ mit allen wichtigen Akteuren, um die zukünftige Trägerstruktur zu stärken und die Finanzierung des Besucherzentrums zu befördern.

Unterstützung tut Not! Der Industriesalon hat im letzten Jahr erlebt, dass immer mehr Besucher diesen Standort entdecken. Nachhaltige Tourismusentwicklung in Berlin Schöneweide kann aber nur gewährleistet werden, wenn Industriekultur erlebbar und spannend vermittelt wird. 
Der spannende Ort ist da, der Industriesalon hat die Richtung vorgegeben, nun braucht es Investitionen und Professionalität, um das große Thema Industriekultur nachhaltig für den Standort zu nutzen.