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Gewerbe- versus Wohnungsbau – auch in Schöneweide kommt das Berlinweite Diskussionsthema auf den Tisch

Gewerbe- versus Wohnungsbau – auch in Schöneweide kommt das Berlinweite Diskussionsthema auf den Tisch

Heiß diskutiert wurde am Abend des 25. Novembers im Industriesalon Schöneweide über die Zukunft des Industrieareals an der Spree. Ein Investor plant auf dem Gelände der Rathenauhallen neben dem Ausbau der Industrierelikte auch eine Wohnbebauung direkt am Ufer. Rechtlich gesehen handelt es sich laut Flächennutzungsplan zwar um ein Mischgebiet, lokale Standortpartner und zuständige Politik sind jedoch geteilter Meinung, wie sich die Nutzungsmischung in der Praxis vereinbaren lässt.

Die Podiumsgäste waren sich zunächst einig, dass Berlin Schöneweide heute einen Entwicklungsschub verzeichnet, der vor zwanzig Jahren so noch nicht denkbar gewesen wäre. Der Bezirksbaustadtrat Rainer Hölmer verweist in seinem Intro darauf, dass erst die Öffnung des Flächennutzungsplans auch für andere Nutzungen die Ansiedlung der HTW Berlin nach Oberschöneweide ermöglicht hatte. Die vielen Studentenwohnheime sind laut Wolf Schulgen (ehemals Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt) eine der direkten Folgen, die dem Standort gut tun.
Auch wenn die aktuelle Nachfrage nach Wohnraum enorm ist, sollte man nach Einschätzung von Jochen Brückmann von der IHK Berlin die Gewerbeansiedlung auch in Hinblick auf ihre Rentabilität nicht unterschätzen.

Konflikte sind vorprogrammiert, da sich Geräuschpegel und Infrastrukturanforderungen zwischen Wohn- und Gewerbenutzung elementar unterscheiden. Ein Mischgebiet als Pufferzone sieht auch Janin Weller, Vertreterin des Unternehmerkreises Schöneweide, kritisch. Auf dem Gelände angesiedelte Handwerksbetriebe, Kunstschaffende aber auch Produktionsfirmen aus Hightech- und Kreativwirtschaft mit Expansionsbedarf müssen geschützt werden. Hierzu hat sie in einem Bündnis aus Unternehmerkreis Schöneweide, Industriesalon Schöneweide und der Bürgerplattform Südost einen Einwohnerantrag gegen Wohnbebauung auf dem Rathenauareal auf den Weg gebracht. Weller verweist auf die konterkarierenden Entwicklungen, die aus einer mittel- bis hochpreisigen Wohnbebauung entstehen, wenn in der Konsequenz Firmen und potenzielle Arbeitsplätze abwandern.

Auch die Ansiedlung neuer Unternehmen wird laut Thomas Niemeyer, Leiter des Regionalmanagements Berlin Schöneweide und damit verantwortlich für wirtschaftliche Ansiedlung am Standort, durch eine Wohnbebauung erheblich erschwert. Schon jetzt lassen sich die Geschossfabriken gut vermarkten. Allerdings stellen die großen Produktionshallen aus AEG-Zeiten eine besondere Herausforderung dar. Niemeyer ist dennoch überzeugt, dass auch hierfür adäquate Gewerbenutzungen gefunden werden. Innovative Unternehmen, die nicht nur vor Ort entwickeln, sondern auch direkt umsetzen und produzieren, sind für das Rathenau-Areal die Wunschansiedlungskandidaten.

Konsens erreichte der Moderator Peter Strunk mit seiner Abschlussfrage, ob Wohnen auf diesem Areal nötig ist, da das Podium hier über alle Ebenen hinweg grundsätzlich für den gewerblichen Ausbau plädierte. Dass dazu ein strategisches Gesamtkonzept für die Entwicklung Berlin Schöneweides von Nöten ist, wurde auch an diesem Abend ein weiteres Mal deutlich. Den konkreten Handlungsanstoß gab es in Richtung städtebaulichen Denkmalschutz. Es wurde sich darauf verständigt, dass gerade die Öffnung von bisher nicht zur Verfügung stehenden Fördermitteln für private Investitionen eine echte Chance zur gewerblichen Entwicklung des Areals bietet. Weitere Schritte müssen nun mit Politik und Wirtschaft geklärt werden.