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Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Drei Fragen an Nicole Ludwig, Sprecherin für Wirtschaft, Haushalt und Tourismus – Bündnis 90/ Die Grünen

Als Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin setzen Sie sich vor allem für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Berlin ein. Ihr Fokus liegt dabei klar auf kleinen und mittelständischen Unternehmen. Welches Potenzial sehen Sie in der Förderung von KMU und welche Auswirkungen kann diese Unternehmensgruppe aus Ihrer Sicht auf einzelne Standorte in der Hauptstadt haben?

Kleine und mittelständische Unternehmen bilden das Rückgrat der Berliner Wirtschaft und sind die wichtigsten Akteure für Beschäftigung – in den letzten Jahren haben sie deutlich über dem Bundesdurchschnitt Personal eingestellt. Berlins Attraktivität hat hier vor allem bei Handel und Gastgewerbe für deutliches Wachstum gesorgt. Jetzt ist es entscheidend, auch in anderen, weniger sichtbaren Wirtschaftsbereichen wie Handwerk und Industrie schneller zu wachsen. Das Internet der Dinge und zukunftsweisende Produktion (Industrie 4.0) bietet gerade den KMU die große Chance, einst verlorene Wertschöpfung wieder an den Standort zu holen.

Berlin Schöneweide hat, wenn es um die Zahl von Arbeitsplätzen geht, das Potential zum drittgrößten Wirtschaftsstandort in Berlin heranzuwachsen. Welche Rahmenbedingungen müssen Ihrer Meinung nach hierfür grundsätzlich erfüllt sein,  um sich zu einem erfolgreichen Wissenschafts- und Technologiestandort zu etablieren.

Schöneweide hat bereits jetzt hervorragende Voraussetzungen, seine Rolle als Innovationstreiber auszubauen. Mit der htw der Hochschule für Technik und Wirtschaft ist der wissenschaftliche Kern vorhanden, der notwendig ist, um kreative, vorausdenkende Unternehmen anzusiedeln. Dabei bietet das Umfeld noch viel Raum für Gestaltung, es ist noch nicht jeder letzte Winkel verplant, nicht jede Ruine luxussaniert. Dieser Vorteil darf jetzt, wo in der ganzen Stadt der Wohnungsbau dominiert, nicht verspielt werden! Ebenso wichtig ist es, ein klares Standort-Profil herauszuarbeiten, das auch eine sich gut ergänzende Verbindung zum nahen Adlershof darstellen sollte.

Sie interessieren sich auch für die Berliner Kreativ- und insbesondere Green-Fashion-Szene und unterstützen junge Designer und Start-Ups in diesem Bereich. Die wirtschaftliche Profilierung des Standortes Schöneweide wird ebenfalls entlang der Themenfelder Design- und Kreativwirtschaft in Verbindung mit Industrie 4.0 erfolgen. Das Regionalmanagement Berlin Schöneweide schiebt in diesem Zusammenhang derzeit den Aufbau eines Zentrums für Mode- und Textilwirtschaft am Standort voran. Welche Projekte oder Maßnahmen sollten  Ihrer Einschätzung nach vom Standort verfolgt werden und können gegebenenfalls  einen wichtigen Beitrag für die gesamte Stadt leisten?

Die Verbindung aus Design und Innovation kann derzeit kein anderer Standort in Berlin so gut ausfüllen wie Schöneweide. Für Berlins Kreative könnte hier ein Mode- und Design-Hub entwickelt werden, an dem gemeinsam gegründet, geforscht und gearbeitet wird. Die würde die Kreativszene hier auch mit Betriebswirtschaft, Materialforschung und Digitalisierung perfekt ergänzen. Gerade in der Mode besteht die Chance, durch neue innovative und nachhaltige Technologien mehr Wertschöpfung vor Ort abzubilden und so eine Trendumkehr weg von der Masse, hin zur Qualität zu erreichen. Das wäre für die Menschen gut, für die Umwelt und für die Berliner Wirtschaft.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Ludwig.