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Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Drei Fragen an Dr. Thomas Letz aus der Senatskanzlei über die gewerblichen Entwicklungstrends der Hauptstadt, die Potenziale der Kreativwirtschaft und die Rolle des Zukunftsortes Berlin Schöneweide in diesem Kontext.

Als Planungsstab in der Senatskanzlei verfügen Sie über einen übergeordneten Blick auf die gewerblichen Entwicklungstrends im Land Berlin. Welches sind aus Ihrer Sicht die Wirtschaftsbereiche, in denen sich die Hauptstadt im deutschen und europäischen Vergleich aktuell am besten profiliert?

Berlins Wirtschaft insgesamt hat im vergangenen Jahrzehnt einen großen und wichtigen Schritt nach vorn gemacht: Berlin ist das Bundesland mit dem stärksten Wachstum bei BIP und Beschäftigung und auch die Exporte haben sich überdurchschnittlich entwickelt. Besonders erfreulich ist, dass der Aufschwung nicht einzelnen Sparten zu verdanken ist, sondern auf einer breiten Grundlage und damit weniger krisenanfällig erfolgt. Dienstleistungsbereiche wie Gastgewerbe und Handel, aber auch hochspezialisierte unternehmensnahe Services tragen zum Wachstum ebenso bei wie Industrie und Baugewerbe.

Die frühzeitige Fokussierung der Berliner Wirtschaftspolitik auf innovative Zukunftscluster, auf Wissenschaft und Forschung und die Schaffung eines guten Gründungsklimas haben sich nachhaltig bewährt. Hier sehe ich auch für die künftige Entwicklung die größten Chancen. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette haben sich in Berlin von der Grundlagenforschung über die Produktion bis hin zur Anwendung international wettbewerbsfähige Institutionen und Strukturen herausgebildet. So nimmt etwa der Gesundheitsstandort Berlin mit starken Akteuren wie Bayer, Pfizer, Berlin Chemie, Biotronik, Otto Bock, der Charité, dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung, Vivantes und vielen mehr eine europaweit führende Position ein.

Auch die anhaltende Gründungsdynamik wird ein Markenzeichen Berlins bleiben. Die Startup-Metropole Berlin zieht Talente aus aller Welt an. Allein im Bereich der Digitalwirtschaft gehen die Prognosen von bis zu 200.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen bis 2030 aus.

 

Die Kunst- und Kreativwirtschaft leistet einen fundamentalen Beitrag für die Attraktivitätssteigerung der Hauptstadt. Kreative Unternehmen bilden auch in Berlin Schöneweide einen Schwerpunkt. Wie lassen sich diese räumlichen Hotspots Ihrer Meinung nach mit anderen Funktionen der Stadtgesellschaft wie Arbeiten, Wohnen und Freizeit – gerade hinsichtlich des Emissionsschutzgesetzes, das eher zu Nutzungskonflikten in gemischten Quartieren beiträgt – vereinbaren, ohne existenzielle Konflikte anzustoßen?

Die Kreativwirtschaft ist nicht nur einer der zentralen Attraktoren der deutschen Hauptstadt, sie leistet auch einen enormen Beitrag zur hiesigen Wertschöpfung. Kaum eine andere Stadt kann solch eine Vielfalt und Stärke in den Teilbranchen aufweisen wie Berlin. Gleich, ob Games, Design, Galerien oder Musik – Berlins Kreative machen unsere Stadt aus und gehören zu ihren Kernmerkmalen.

Daher ist es vorrangiges Ziel der Berliner Politik, die sehr guten Rahmenbedingungen für die Kreativwirtschaft zu erhalten bzw. nach Möglichkeit weiter zu verbessern. In der wachsenden und sich verdichtenden Stadt wird es daher immer wichtiger, Räume und Entfaltungsmöglichkeiten für Kreative zu erhalten und neue zu schaffen. Nutzungskonflikte zwischen Wohnen, Bildung, Verkehr, Erholung und eben auch Kultur müssen jeweils im Einzelfall betrachtet und gelöst werden. Stadtquartiere sollten integriert geplant und weiterentwickelt werden. Wohnen und Arbeiten – dies gilt für die Kreativwirtschaft genauso wie für das Verarbeitende Gewerbe – stellen dabei keinen Gegensatz dar, sondern sollten zusammen gedacht werden.

Sinnvoll könnte es dafür sein, auf Bundesebene für hochverdichtete städtische Gebiete neue Raumkategorien zu entwickeln, für die andere Normen angewandt werden, etwa im Bereich der Emissionen. Dies würde ein Miteinander verschiedener städtischer Funktionen erleichtern. Auch eine frühzeitige Kommunikation und Planung helfen, Nutzungskonflikte zu vermeiden. So hat etwa die Stadtentwicklungsverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Musicboard ein Clubkataster erstellt. Diese Übersicht hilft, Interessen zu vereinbaren und potentielle Konflikte zu vermeiden. Letztlich muss aber auch allen klar sein, wer in einer Metropole wie Berlin leben und die Vorteile des Stadtlebens genießen will, kann nicht gleichzeitig die Ruhe einer Landidylle einfordern.

 

Berlin Schöneweide ist einer der zehn Berliner Zukunftsorte. Wie schätzen Sie die heutige Entwicklung des Standortes ein und welche Rahmenbedingung müssen aus Ihrer Sicht noch geschaffen werden, um auch aus Landesperspektive Berlin Schöneweide als erfolgreichen Wissenschafts- und Technologiestandort Berlins wahrzunehmen?

Es ist gut, dass Land und Bezirke die Orte gezielt entwickeln, an denen Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft in besonderer Weise zusammenarbeiten. Der Zukunftsort Adlershof hat vorgemacht, welche Erfolge im Laufe der Zeit möglich sind, wenn sich alle Beteiligten nachhaltig auf ein Ziel verständigen. Wichtig wird sein, dass die zehn Berliner Zukunftsorte ihr jeweiliges Profil auch in Zukunft klar herausarbeiten. Es muss auch überregional verständlich sein, wofür das jeweilige Areal steht und welche Kompetenzen es vorweisen kann. Hilfreich ist dabei auch die Abstimmung und Kooperation der Zukunftsorte untereinander.

Schöneweide weist alle „Zutaten“ auf, um an die Erfolge des nahen Adlershofs anzuknüpfen. Beeindruckende Industriearchitekturen stehen für neue gewerbliche und kulturelle Nutzungen bereit. Innovative Unternehmen insbesondere in der Kreativwirtschaft und Hochtechnologie sind am Standort aktiv und mit der HTW gibt es einen ausgezeichneten Partner in der anwendungsorientierten Forschung. Zugleich gibt es einen attraktiven Wohnungsbestand, der aktuell noch um zusätzlichen studentischen Wohnraum erweitert wird. Wichtig wird es in den nächsten Jahren sein, diese Potentiale auch zu heben. So müssen die Immobilien für eine gewerbliche Nutzung und über gestaffelte Preise auch für kreative Mieter gesichert und zugänglich gemacht werden.

Genau hierin könnte das Erfolgsrezept für Schöneweide liegen, im Brückenschlag zwischen Produktion und Kreativwirtschaft. Digitalisierung und Industrie 4.0 bieten dem Standort Schöneweide langfristige Zukunftsperspektiven. Innovationswerkstätten und -zentren sind daher gute kooperative Ansätze für die weitere Entwicklung dieses Zukunftsortes. Schöneweide hat noch viel vor – und der Berliner Senat wird diesen spartenübergreifenden Brückenschlag aktiv und unterstützend begleiten.