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Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Das Regionalmanagement Berlin Schöneweide im Gespräch mit Holger Matheis, Vorstand der BEOS AG

 

Berlin hat viele Standorte ehemaliger Industrieproduktionen zu bieten. Die Überführung solcher Gebäuderelikte in neue Nutzungen ist mit hohen Anforderungen verbunden. Die BEOS AG hat als landesweiter Entwickler von Gewerbeimmobilien Erfahrungen mit der Revitalisierung industriell geprägter Bestände. Warum wagen Sie sich an Projekte wie diese, die für andere Entwickler schlicht zu riskant oder aufwändig zu sein scheinen?

Wir sehen bei diesen Projekten mehr Chancen als Risiken und gleichzeitig ein gesteigertes Interesse bei institutionellen Investoren an Unternehmensimmobilien, die gerade in Großstädten nicht mehr allzu leicht zu finden sind. Diese „Gebäuderelikte“ bieten ein großes Potenzial: Durch die Größe können oft unterschiedliche Konzepte an einem Standort realisiert werden. Die Flächenzuschnitte für die Mieter sind flexibel und aufgrund der meist soliden Grundsubstanz können die Objekte den Nutzungsanforderungen, die sich in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 immer schneller verändern, sehr gut angepasst werden. Durch die gemischte Mieterstruktur bieten die Objekte zudem ein sehr interessantes Risiko-Rendite-Profil.

Außerdem finden sich gerade an den Standorten, an denen sich die ehemaligen Industrieproduktionen befinden, oft mittelständische Unternehmen. Diese haben selten Interesse daran, den Standort zu wechseln. Durch eine persönliche und gleichzeitig professionelle Betreuung der Mieter und auf die individuellen Ansprüche zugeschnittene Lösungen kann man diese langfristig halten – und neue, attraktive Mieter hinzu gewinnen. Wir sehen uns nicht im klassischen Mieter-Vermieter-Verhältnis, sondern verstehen uns vielmehr als Partner. Gemeinsam mit unseren Mietern erarbeiten wir maßgeschneiderte Konzepte, die stetig angepasst und optimiert werden. Auch nach Übergabe der Mietflächen bleiben wir in regelmäßigem Austausch mit dem Mieter. Um dies zu gewährleisten kommt bei uns auf 1,6 Projekte ein Asset Manager, andere Anbieter haben hier eher einen Schlüssel von 10 zu 1. Die intensive Betreuung der Objekte und Mieter ist die einer der zentralen Erfolgsfaktoren für unsere Arbeit. Der Großteil unserer Standorte bleibt langfristig im Bestand – und wird nicht nach Fertigstellung möglichst schnell und gewinnbringend verkauft. Außerdem bereitet uns die Transformation solcher historischen Industriestandorte große Freude: die Möglichkeiten sind vielseitig, ebenso die Zielgruppen.

Auch Berlin Schöneweide hält auf rund 100 ha noch spannende Entwicklungsflächen bereit. Gerade die denkmalgeschützte Substanz aus dem frühen 20. Jahrhundert mit gelbem Backstein, großen Hallen und Geschossfabriken prägt Schöneweide und ist aufgrund der direkten Spreelage attraktiv für verschiedene Nutzergruppen. Wie bewerten Sie den Standort aus Entwicklerperspektive auch hinsichtlich des Umgangs mit Denkmalschutzanforderungen?

Der Charme dieser ehemaligen Industriegelände ist ein ganz besonderer. Gleichzeitig bieten sie die erforderlichen Flächen, um verschiedene Konzepte an einem Standort umzusetzen. Dabei versuchen wir immer, die alten Strukturen zu wahren und mit modernen Elementen zu verknüpfen. Wir arbeiten mit erfahrenen Architekten zusammen, für die der Denkmalschutz nicht im Widerspruch zu den Anforderungen der Entwickler und Mieter steht. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass die historische Substanz potenzielle Mieter und Investoren aufgrund des Flairs eines Standortes anzieht. Das Etablieren neuer Arbeitswelten in diesen geschichtsträchtigen Industrieimmobilien zieht alle Nutzer in ihren Bann und hilft auch den Mietern als Arbeitgebern, Menschen für ihr Unternehmen zu begeistern. Natürlich müssen wir bei einer Revitalisierung eines denkmalgeschützten Standortes auch immer die Kosten im Auge behalten – denn bei aller Leidenschaft für solche Projekte steht die Wirtschaftlichkeit immer im Vordergrund.

Im Umfeld der am Standort ansässigen Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin haben sich bereits viele wachstumsstarke Unternehmen aus der Technologie- und Kreativbranche angesiedelt. Wo setzen Investoren, Eigentümer und Mieter von Gewerbeimmobilien aus Ihrer Sicht vorrangig Ihre Maßstäbe für Standort- und Projektentscheidungen?

Ich bin seit vielen Jahren Lehrbeauftragter an der HTW und beobachte seit langem die positiven Veränderungen an diesem Standort. Eines der wichtigsten Kriterien ist, neben den passenden Flächenangeboten, eine bereits gegebene Infrastruktur. Das beschränkt sich nicht nur auf eine gute Verkehrsanbindung und den Öffentlichen Personennahverkehr. Auch Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote sowie Gastronomie, Schulen und Kitas spielen eine wichtige Rolle bei der richtigen Wahl des Standortes – und des Objekts. Außerdem sollte die Nachbarschaft genau betrachtet sowie nach Möglichkeit frühzeitig informiert und integriert werden. Das ist für die Akzeptanz eines Projekts unabdingbar. Es ist wichtig, Synergien aufzuzeigen und zu fördern – innerhalb der Mieterstruktur ebenso wie in Bezug auf Anwohner und Gemeinde. Um all diese Faktoren professionell beurteilen zu können, bedarf es einer extrem detaillierten Markt- und Standortanalyse. Diese wird bei BEOS schon immer im eigenen Haus durchgeführt: Unsere Projektleiter bewerten Faktoren wie Mietniveau, Nachfrage, Wachstum und Struktur eines Mikrostandortes jedes einzelnen Projektes.

Vielen Dank  für das Gespräch Herr Matheis!