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Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Persönlichkeiten über Berlin Schöneweide

Im Gespräch mit Henner Bunde, Staatssekretär für Wirtschaft, Technologie und Forschung

Schöneweide wird aktuell als einer der zehn Berliner Zukunftsorte diskutiert. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung stellte hierfür erst kürzlich einen Kriterienkatalog auf. Welches sind die wesentlichen Faktoren, die einen Standort zu einem Zukunftsort machen und wie ordnen Sie Schöneweide in diesem Kontext ein? Wo hat der Standort noch Handlungs- beziehungsweise Wandlungsbedarf?

Die Berliner Zukunftsorte stellen sich aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft und entwickeln dafür Lösungen. Die Zukunftsorte sind das erfolgreiche Resultat der Bewältigung eines tiefgreifenden Strukturwandels. Sie sind langfristig angelegt und stärken damit nachhaltig die Wirtschaftskraft Berlins. Die Politik ist aktiver Partner und Begleiter; sie initiiert Zukunftsorte oder unterstützt private Initiativen zu deren Aufbau. Kerngedanke der Berliner Zukunftsorte ist es, durch enge Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft international wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen anzubieten und damit einen signifikanten Beitrag Berlins zur Entwicklung von Hochtechnologien zu leisten. Der Standort Schöneweide zeigt, dass eine enge Verknüpfung von Wissenschaft, hier der Hochschule für Technik, mit innovativen Unternehmen in der Nachbarschaft, beste Ansiedlungsargumente für noch mehr interessante und bereichernde Firmen liefert. Diese Kooperationen gilt es weiter auszubauen. Dazu ist auch erforderlich, notwendige Voraussetzungen wie eine funktionierende und ausreichende Infrastruktur zu schaffen, wofür mein Haus mit Fördermitteln bereits den Bau der Süd-Ost-Brückenverbindung gefördert hat und auch zukünftigen Maßnahmen zur Verbesserung der infrastrukturellen Anbindung positiv gegenüber stehen wird.

Derzeit steht vor Ort ein Thema besonders im Fokus: die Kontroverse von Gewerbe- und Wohnbebauung auf dem Rathenau-Areal in Schöneweide. Natürlich sind beide Nutzungen für eine Stadt wichtig. Wie positioniert sich Ihr Haus in Hinblick auf die Entwicklung des konkreten Gewerbegebietes in Schöneweide?

Der Bereich Oberschönweide und derzeit insbesondere die vorgesehene Entwicklung der Rathenau-Hallen wird aktuell kontrovers diskutiert. Einerseits wird hier von einem Gewerbe-, ja Industriestandort gesprochen, andererseits soll das Gebiet zur urbanen Entwicklung von Oberschöneweide insgesamt beitragen. Auf Initiative des Bezirks wurden bereits 2003 wesentliche Teile, inklusive der Flächen Rathenau-Hallen, von gewerblicher Baufläche in gemischte Baufläche umgewidmet. Das aktuelle Bebauungsplanverfahren für die Rathenau-Hallen folgt dieser Zielsetzung. Lediglich die Flächen von ehemals Samsung, BAE und die Kabelwerke verblieben als gewerbliche Baufläche in der vorbereitenden Bauleitplanung.
Die Senatsverwaltung für Wirtschaft ist an die Darstellung des Flächennutzungsplans gebunden. Das für das Bebauungsplanverfahren zuständige Bezirksamt Treptow-Köpenick ist gefordert, hier eine Entscheidung planungsrechtlich zu erarbeiten, die Wohnen und Gewerbe miteinander verträglich ermöglicht. Mein Haus hat in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplanverfahren 9-58 aus dem Oktober d. J. gefordert, dass die nach unseren Kenntnissen auf den Flächen der Rathenau-Hallen bereits heute vorhandenen rd. 70 Unternehmen mit knapp 700 Arbeitsplätzen Bestandsschutz genießen müssen und in ihrer Entwicklung nicht beeinträchtigt werden dürfen. Ferner müssen Neuansiedlungen von Gewerbe möglich bleiben und potenzielle Nutzungskonflikte bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden.

Die verkehrlich Anbindung ist für die wirtschaftliche Entwicklung eines Standortes von großer Bedeutung. Welche infrastrukturellen Verbesserungen sind für Schöneweide aus Ihrer Sicht noch notwendig, um eine erfolgreiche Ansiedlungspolitik für Unternehmen am Standort zu betreiben?

Für die verkehrliche Anbindung des Standortes Schöneweide hat mein Haus in den letzten 20 Jahren im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe “Verbesserung der regionalen Infrastruktur” (GRW) sehr viel an Förderung geleistet. Ich möchte nur den Ausbau der Wilhelminenhofstraße, der Ostendstraße, Slaby- und Gaußstraße, den Ausbau der Stubenrauchbrücke, Treskowbrücke und des Glienicker Weges erinnern. Mit EU-Mitteln ist die Wilhelm-Spindler-Brücke ebenso gefördert worden, welche auch der besseren Anbindung von Oberschöneweide dient.
Gegenwärtig wird die Süd-Ost-Verbindung (SOV) als neue Brücke über die Spree im Rahmen einer GRW-Maßnahme errichtet. Ich hoffe, dass dann der Verkehr 2017 darüber rollt und Schöneweide damit von einer weiteren Verbesserung der verkehrlichen Anbindung profitiert. In den nächsten Jahren wird die TVO, d.h. die Tangentiale Verbindung Ost zwischen der Wuhlheide und der Bundesstraße 1, gebaut. Auch dieses Vorhaben wird durch mein Haus im Rahmen der GRW-Förderung begleitet. Die Planungen kommen gut voran, so dass ein Baubeginn 2018/19 durchaus möglich ist. Von der TVO wird Schöneweide unmittelbar profitieren.
Gegenwärtig wird der Wiederaufbau der Wilhelminenhofbrücke geprüft. Sofern die Brücke für die wirtschaftliche Anbindung unter Berücksichtigung der vorhandenen Anbindungen noch erforderlich ist, könnte eine Förderung bei entsprechender Verfügbarkeit von Fördermitteln in den nächsten Jahren möglich sein.
Im Ergebnis verfügt bzw. wird in den nächsten Jahren Schöneweide aus allen Richtungen über eine sehr gute verkehrliche Anbindung verfügen und für Investoren noch interessanter sein.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Bunde.