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RÜCKBLICK SCHÖNEWEIDER SALONGESPRÄCH

RÜCKBLICK SCHÖNEWEIDER SALONGESPRÄCH

„Hidden Champions“ aus Schöneweide trafen sich zum Salongespräch im Industriesalon, um über erfolgreiche Unternehmensausgründungen aus dem Werk für Fernsehelektronik zu sprechen.

Das Regionalmanagement Berlin Südost veranstaltete am 11. April 2019 gemeinsam mit dem Industriesalon Schöneweide e.V. und dem Unternehmerkreis Schöneweide e.V. das regelmäßig stattfindende Schöneweider Salongespräch. Dieses Mal ging es um „Hidden Champions“ aus Schöneweide. Die Begrüßung erfolgte durch Gregor Keck, Leiter des Regionalmanagements Berlin Südost und Jan IJspeert, Vorsitzender des Unternehmerkreises Schöneweide e.V. Dr. Peter Strunk (WISTA Management GmbH) moderierte die Veranstaltung im Industriesalon Schöneweide zu erfolgreichen Unternehmensausgründungen aus dem Werk für Fernsehelektronik (WF).

Zwei erfolgreiche Ingenieure und eine Chemikerin aus dem WF schilderten auf dem Podium ihren Weg „vom Umbruch zum Aufbruch“: Gabi Grützner, Gründerin und Geschäftsführerin von micro resist technology GmbH, einem führenden Unternehmen in der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von innovativen Photoresisten, Polymeren und Photopolymeren. Des weiteren Dr. Bernd Kriegel, Gründer und ehemaliger Geschäftsführer der Silicon Sensor GmbH, die später in die First Sensor AG aufging, einem weltweit führenden Anbieter auf dem Gebiet der Sensorik sowie Andreas Thun, Gründer und Geschäftsführer der iris-GmbH infrared & intelligent sensors, einem wachsenden globalen Unternehmen, das vollautomatische Fahrgastzählsysteme entwickelt und anfertigt. Ebenfalls eingeladen und am Wissenstransfer beim Salongespräch beteiligt, war Prof. Dr. Klaus Jacobs, wissenschaftlich-technischer Koordinator „Advanced UV for Life“ des Ferdinand-Braun-Instituts, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH), in dem elektronische und optische Komponenten, Module und Systeme auf der Basis von Verbindungshalbleitern erforscht werden.

Das Werk für Fernsehelektronik (WF) beschäftigte 1989 rund 9.600 Menschen, darunter allein 6.000 in Schöneweide. Von dort kamen die Farbbildröhren für die Fernseher der DDR. Weit weniger bekannt ist, dass das WF fast das gesamte Röhrensortiment, von kleinen Empfänger- bis zu Hochleistungsröhren herstellte, die dann in Fernsehkameras, Flüssigkristallanzeigen und Nachtsichtgeräten zum Einsatz kamen. Nach 1990 hatte das Werk keine Chance, als Ganzes auf dem Weltmarkt zu bestehen. Der koreanische Samsung-Konzern führte einen Teil, die Bildröhrenfertigung, noch bis 2006 fort. Die anderen Betriebsteile wurden aufgelöst und abgewickelt. Für einige Beschäftigte bot sich aber auch eine Chance. Sie taten das, was zu DDR-Zeiten eigentlich nicht vorgesehen war: Sie wurden Unternehmer und Unternehmerinnen. Sie verfügen über Kompetenz, Erfahrung und ein enormes Wissen. Sie hatten gelernt, eigenständig zu forschen, zu entwickeln und selbständig Entscheidungen zu treffen. Und sie schafften es, unter oft widrigen Umständen ihre Unternehmen zum Erfolg zu führen. War es das richtige Produkt zur richtigen Zeit, die passende Nische im Markt? Wie sehr waren Improvisationstalent, Pragmatismus oder hartnäckiges „Dranbleiben“ gefragt? Welche Erfahrungen aus DDR-Zeiten waren ihnen auf dem Weg in die Marktwirtschaft nützlich? Was empfehlen sie jüngeren Unternehmensgründerinnen oder -gründern heute? Darüber wurde mit den „Hidden Champions“ aus dem Werk für Fernsehelektronik gesprochen und diskutiert. Einig sind sich am Ende der Veranstaltung alle, dass ein Teil ihres Erfolgs in der engen Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft begründet liegt.

Beim anschließenden Get Together erhielten die Besucher und Besucherinnen des Salongesprächs nicht nur die Möglichkeit sich direkt mit ihren noch offenen Fragen an die Podiumsgäste zu wenden, sondern waren auch zu zwei Ausstellungseröffnungen vor Ort, im Industriesalon und in den Reinbeckhallen, eingeladen.

 

Foto: Schöneweider Salongespräch, Podium (v.l.n.r.): Prof. Dr. Klaus Jacobs, Gabi Grützner, Dr. Peter Strunk , Dr. Bernd Kriegel und Andreas Thun. © Regionalmanagement Berlin Südost