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Wachgeküsst – Erfinder- und Zukunftsgeist trifft auf entwicklungsbereite Investoren

Dr. Gregor Keck lehnt sich freundlich lächelnd an eine Backsteinmauer.

Wachgeküsst – Erfinder- und Zukunftsgeist trifft auf entwicklungsbereite Investoren

Gregor Keck, Regionalmanager Berlin Südost, über glückliche Investoren, gemeinsame Identitäten und lebendige Industriekultur

 

Wie definieren Sie einen Zukunftsort?

Er ist eine Mischung aus Wirtschaft und Wissenschaft, aus Unternehmen, die auch mit Blick auf die Hochschule ihr Geschäft planen und ausführen. Zukunftsort heißt Flächenpotenzial, das entweder bereits am Markt oder noch entwicklungsfähig ist und auch entwickelt wird. Das können Technologiezentren sein oder Bauflächen, die für produzierende Unternehmen und produktionsnahe Dienstleister zur Verfügung stehen. Kreativwirtschaft, Kunst und Kultur runden das Ganze ab.

 

Was heißt das in Bezug auf Schöneweide?

Schöneweide hat viel Platz. Ehemalige Industrieareale, die lange Jahre in der sogenannten Zwischennutzung festhingen und deren Eigentümer nun gewinnbringend weiterverkauft haben. Inzwischen haben sich hier viele Unternehmen sowie die Kreativbranche etabliert. Viele arbeiten sehr eng mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) zusammen.

 

Umreißen Sie den Zukunftsort Schöneweide geografisch!

Das ist der alte Industriegürtel entlang der Ostendstraße, der Wilhelminenhofstraße bis zur Nalepastraße einschließlich des Areals rund um das alte Funkhaus, südlich begrenzt von der Spree und ergänzt durch die Gewerbeflächen am Niederschöneweider Ufer mit dem Bärenquell-Areal. Wir zählen auch den Bahnhof Schöneweide dazu.

 

Was macht das Regionalmanagement?

Unsere Aufgabe ist es, Leute miteinander zu vernetzen – die Hochschule mit den Unternehmen, mit dem Bezirk, aber auch die Akteure, die neu dazukommen, große Flächenentwickler zum Beispiel. Bei Zukunftsorten geht es um eine gemeinsam getragene Identität, keine zugewiesene, sondern eine von den Akteuren am Standort empfundene. In der Geschichte des Standortes ging es oft auf und ab, auch in der Frage, ob man Wohnungen entlang des Industriegürtels bauen sollte. Mit der Aufstellung der letzten Bebauungspläne ist das Vergangenheit. Das Areal wird gewerblich und hochschulorientiert entwickelt.

 

Zeit für ein Resümee?

Letztes Jahr war ein wirklich gutes. Die neuen Investoren auf den bis zu 10 Hektar großen und teils denkmalgeschützten Gewerbeflächen wollen sich langfristig vor Ort engagieren. Es wird eine Menge Umwälzungen geben. Wir arbeiten daran, beim Transformationsprozess, den wir jahrelang herbeigesehnt haben, alle mitzunehmen. Der Ansiedlungsfokus in Schöneweide ist an die Ausrichtung der Fachbereiche der HTW Berlin angelehnt. Wir sind auch außerhalb von Schöneweide gut vernetzt. Der Flughafen BER wird eröffnet und wir sind damit mittendrin im Entwicklungskorridor Südost.

 

Schöneweide war einst als „Elektropolis” bekannt.

Es gibt zahlreiche eindrucksvolle Zeugnisse der Elektropolis wie das Drehstromkraftwerk in der Wilhelminenhofstraße, das jetzt wiederbelebt wird durch Kultur und Kreativwirtschaft, oder die Rathenauhallen, in die demnächst wieder Gewerbe einziehen wird. Der Peter-Behrens-Bau und das ehemalige Werk für Fernsehelektronik sollen großflächig ertüchtigt werden für technologieorientierte Unternehmen. Was die Branchenverteilung betrifft, gibt es etliche Anknüpfungspunkte an die Elektropolis: Unternehmen der Sensorik und Elektrotechnik, des Fahrzeug-, Maschinen- und Werkzeugbaus, der Energietechnik, der Kabelproduktion oder der Hochtechnologie für den Spitzensport. Uns ist es wichtig, Avantgarde zu sein in den Branchen, die vor Ort arbeiten und technologische Akzente setzen. Wir haben viele Unternehmen, die sowohl Markt- als auch Technologieführer auf ihrem Gebiet sind. Der Erfinder- und Zukunftsgeist der Elektropolis ist hier nach wie vor lebendig.

 

Im August 2020 endet das Regionalmanagement. Was kommt dann?

Die HTW Berlin will bald mit allen Einrichtungen vor Ort sein. Das ist wesentlich für das Funktionieren des Standorts. Der Standort ist wachgeküsst. Hier wird mehr investiert als in Siemensstadt. Die Frage der Wasseranbindung heben wir noch einmal aufs Tableau. Leider wird das Potenzial der Wasseranbindung Schöneweides bisher nicht genutzt. Wir wollen eine wasserbasierte Verkehrslösung, um Straßen zu entlasten. Der Bezirk ist momentan dabei, das Management des TGS (Technologie- und Gründerzentrum Spreeknie) neu aufzustellen. Es wird darüber nachgedacht, hier das Standortmanagement zu integrieren.

 

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Erstens: der Verkehr. Bei voller Entfaltung können hier in den nächsten zehn Jahren mehr als 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Wir betreiben unermüdlich Lobbyarbeit für eine weitere Spree-Brücke, die Wilhelminenhofbrücke. Sie ist extrem wichtig für die Anbindung an Niederschöneweide mit dem S-Bahnhof Oberspree und darüber hinaus auch an Adlershof. Zweitens: das Standortmarketing. Nur wenn wir wissen, wer und was wir sind und wo wir hinwollen, können wir uns gemeinsam darstellen.

Drittens: die Bestandspflege. Wir müssen dafür sorgen, dass die hier erfolgreichen Firmen auch auf Dauer erfolgreich sein können.

Viertens: der Lehrauftrag gegenüber möglichen Investoren. Wie tickt der Bezirk, was ist Schöneweide, wie funktioniert das hier? Verbindungen und Konsens herstellen, Verständnis erzeugen im Sinne des Standorts.

 

Das Interview führten Rico Bigelmann und Sylvia Nitschke für Potenzial – Das WISTA-Magazin

Foto:  Gregor Keck, Leiter Regionalmanagement Berlin Südost/ Copyright: WISTA Management GmbH